Reutlingen:
IHK-Forum wird zur "bürokratiefreien Zone"
Der IHK Midsommar zählt zu den bedeutendsten Netzwerk-Events in der Region. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben sich in diesem Jahr zum dritten Mal zum Austausch im informellen Rahmen versammelt. Kernthema der Veranstaltung war, wie man Baden-Württemberg in Zeiten schwächelnder Wirtschaft und internationaler Krisen wieder auf Vordermann bringt.
Selbst Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) wollte sich das Networking-Event am IHK-Forum in Reutlingen nicht entgehen lassen. Für sie ist der IHK Midsommar ein Stück Heimat.
"Neckar-Alb – das ist ja auch meine Heimatregion. Hier gibt es auch viele vertraute, bekannte Gesichter, die ich schon seit Jahrzehnten kenne. Das ist natürlich unheimlich wertvoll", so die Wirtschaftsministerin.
Und das vor allem "in so bewegten Zeiten. Wir sind drei Jahre in der Rezession. 2026 wird auch ein herausforderndes Jahr. Und in so persönlichen Gesprächen, da bekommt man doch ganz ehrliches Feedback", so Hoffmeister Kraut.
Auch IHK Vize-Präsidentin Dr. Daniela Eberspächer-Roth übte sich im ehrlichen Feedback. Bei der Begrüßung bezeichnete sie den IHK Midsommar als "bürokratiefreie Zone" – mit kleinem Augenwink in Richtung der Wirtschaftsministerin. Die von der Landesregierung geplanten Gesetze für mehr Effizienz und weniger Gold Plating braucht die Region dringender denn je, so die Vizepräsidentin.
Ihr Appell an die Wirtschaftsministerin: "Wir erwarten, dass die Regierung das, was sie beschlossen hat, auch schnell umsetzt. Denn jetzt geht es um Schnelligkeit, um Tempo und um echte Wirkung für die Unternehmen."
Beim IHK Midsommar stehen aber nicht Forderungen an höhere Instanzen, sondern Austausch auf Augenhöhe im Zentrum, so IHK-Präsident Johannes Schwörer. "Der Schwerpunkt liegt natürlich im Austausch, dass sich alle gut unterhalten", erklärt der IHK-Präsident.
"Wir stoßen das auch extra immer an mit der Sitzordnung, dass jeder wechseln kann, dass man auch jemand Neues kennenlernt", so Schwörer.
Nicht nur Wirtschaft und Politik, auch Wirtschaft und Wissenschaft sollen sich bei der Veranstaltung miteinander vernetzen. Gerade die neue Förderperiode der ESA BIC, dem EU-Förderprogramm für Raumfahrt, öffnet der Achalmstadt als Weltraumstandort neue Türen - auch jenseits des Atlantiks.
"L3Harris ist eine Firma in den USA, Nasa Boulevard in Melbourne, Florida", erzählt Michael Popp mit fast akzentfreiem Deutsch. Er ist als Vertreter seines Unternehmens aus den USA angereist ist. " (L3Harris) macht von Haus aus Satelliten, Raumfahrttriebwerke – zum Beispiel Mondtriebwerke – die kommen alle von uns. Wir sind auch in der Verteidigungstechnik sehr aktiv", so der US-Amerikaner.
Mit den Fördermitteln der EU ist der Weltraumstandort Reutlingen laut Popp ein interessanter Partner für das US-amerikanische Raumfahrt-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Dollar. Aber das Potenzial der Region reiche über die finanzielle Förderung der EU hinaus.
"Baden-Württemberg ist ein Land – das weiß ich aus meiner Jugend hier, das für Innovation steht und gute, mittelständische Unternehmen hat und jetzt auch in der Raumfahrt tätig ist mit guten Start-Ups. Und da wollen wir uns umschauen", erzählt Michael Popp.
Wenn alles so läuft, wie die Veranstalter es sich vorstellen, dann wird die "bürokratiefreie Zone" zum Nährboden für neue Partnerschaften.










