Hechingen-Stein:
"Cäsar von Stein" dankt ab - Gerd Schollian vom Römischen Freilichtmuseum Hechingen bei Festakt verabschiedet
Alles begann 1971, als der damalige Bürgermeister von Stein, Gerd Schollian, bei der neuen Planung des Waldwegenetzes ein Stück Mauer entdeckte, das sich als Überbleibsel einer besonders prächtig ausgebauten römischen Villa Rustica entpuppte. Mehr als 50 Jahre seines Lebens hat Schollian der Ausgrabung und Rekonstruktion der Fundstätte gewidmet. Nun gibt der 84-Jährige das Zepter weiter.
Das Römische Freilichtmuseum Hechingen-Stein ist eine der größten römischen Anlagen in Süddeutschland. Dafür ist im Großen und Ganzen Gerd Schollian verantwortlich, der 1977 den gleichnamigen Förderverein ins Leben gerufen hatte, der die Entwicklung der Anlage maßgeblich unterstützt. Zu seiner Verabschiedung am Wochenende waren viele Persönlichkeiten aus der Region erschienen, um seinen jahrelangen Tatendrang zu würdigen.
"Gerd Schollian ist einfach ein Macher. Und wenn Sie sich hier umschauen, dann ist das alles seins", erklärt Klaus Tappeser, Regierungspräsident Tübingen. "Das hat er im Wesentlichen gemanagt, mit der Hand am Arm. Ganz ganz großes Kompliment!" Laut Landrat Günther-Martin Pauli habe Schollian "die zuständigen Behörden sicherlich nicht geschont, um das zu erreichen, was wir heute hier vorfinden, worauf der Zollernalbkreis und die Stadt Hechingen stolz sein dürfen. Die ganze Region profitiert davon, dass ganze Generationen – Kinder und Schüler genauso wie Erwachsene und Seniorengruppen oder Vereine – Geschichte hier lebendig erfahren dürfen."
Für Schollian sei die Entdeckung beziehungsweise die daraus folgende Entwicklung beinahe "unheimlich" gewesen. "Wir hatten hier die Grundmauern freigelegt und ich habe mir gesagt, bei dem darf es nicht bleiben. Ich will den Leuten zeigen, wie so etwas mal wirklich ausgesehen hat in der Römerzeit. Und wir haben dann Teile dieser Villa rekonstruiert, wieder aufgebaut, und hatten dann ziemlich schnell jede Menge Besucher – in den Anfangsjahren 10.000 pro Jahr, dann 30.000 pro Jahr in wenigen Monaten."
Auch seine Familie hatte Schollian mit ins Boot geholt. Seine Frau hatte mehr als 20 Jahre den Kiosk geleitet. Sein Enkel half von klein an bei den Ausgrabungen. Und seine Tochter tritt mit den "Harpyen" regelmäßig als historische Tanzgruppe im Freilichtmuseum auf – so natürlich auch bei Schollians Verabschiedung. Der langjährige Fördervereinsvorsitzende ist sich sicher, dass er alles richtig gemacht hat. "Ich mache ja schon seit einem Jahr nicht mehr viel, seit ich schwer krank geworden bin. Und jetzt tue ich mich langsam zur Ruhe setzen, werde aber immer wachen Auges schauen, was hier passiert. Was ich mir wünsche ist, dass wir noch mehr Gebäude rekonstruieren, die wir ausgraben. Aber es müssen dann Gebäude sein, wo es sich auch lohnt."
Das liegt künftig in den Händen von Iris Kappler, der bisherigen Schriftführerin, die den Förderverein nun als neue Vorsitzende leitet. Zunächst geht es natürlich darum, dass der Verein Bestand hat, aber auch sich fort entwickelt, mit der Zeit geht, die Forschung einerseits im Blick hat und andererseits natürlich das Erlebnis für die Menschen, die Römer zu erfahren, ihre Geschichte, alles lebendig zu halten, das ist wichtig für uns, dass wir das weiterhin zeigen", erklärt Kappler. "Sowie Wissen vermitteln und vor allem Freude und Spaß."
Kappler tritt in große Fußstapfen. An ihrem Vorgänger schätzt sie nicht nur seine Tatkraft, sondern auch seine "Nase für Entdeckungen": "Er weiß instinktiv, wo was zu finden ist. Und dann sein unermüdliches Engagement und seine Energie, aus der Sache dann auch was zu machen. Also nicht nur auszugraben, zu erforschen, sondern es den Menschen spürbar, zeigbar zu machen."
Anlässlich der Verabschiedung von Gerd Schollian zeigt RTF.1 am Wochenende die Reportage "Rätsel aus der Römerzeit – Die Ruinen von Hechingen-Stein" aus dem Jahr 2013. Darin sehen Sie ein ausführliches Porträt des Römischen Freilichtmuseums.











