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Aktuelle Entwicklungen an der Tropenklinik

Das Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen, auch heute noch bekannt als Tropenklinik, feiert dieses Jahr ein großes Jubiläum: 110 Jahre sind seit der Gründung vergangen. Dazu darf das Krankenhaus dieses Jahr auch in Dr. Claudia Raichle eine neue ärztliche Direktorin begrüßen. Anlässe zum Feiern, die von den aktuellen Sorgen der Gesundheitsbranche überschattet werden.

Vor 110 Jahren gründete Paul Lechler in Tübingen ein Tropengenesungshaus. Es gab Zeiten, zu denen das daraus entstandene Krankenhaus die zweitgrößte Tropenklinik in Deutschland war. Heute ist der Fokus hier deutlich breiter. Die Tropenmedizin ist noch immer ein Teil davon, doch die Altersmedizin steht heutzutage mehr im Rampenlicht.

"Wir freuen uns, dass wir inzwischen 35 Jahre Tübinger Projekt feiern dürfen, einen der ersten ambulant aufsuchenden Palliativdienste in Deutschland", meint Wolfgang Stäbler, geschäftskührer des krankenhauses. "Und jetzt vor 5 Jahren auch schon wurde unser Hospiz gegründet."

Geriatrie, Palliativversorgung und Innere Medizin. Das sind heute die Säulen, die die Tropenklinik tragen. Und aktuell erweitert sich das Sortiment weiter. Seit Anfang Juli ist mit Dr. Claudia Raichle eine neue Chefärztin am Steuer. Die Internistin und Gastroenterologin ist aktuell im Begriff, ihre eigenen Fachgebiete am Krankenhaus auszubauen. Und das ist nicht alles, was sie aktuell vorantreibt:

"Bisher habe ich viel in Prozesse und Strukturen Zeit investiert, unter anderem in die Digitalisierung. Als ich hier angefangen habe, haben wir alles noch auf Papier verordnet und durchgeführt. Inzwischen sind wir da sehr digital unterwegs. Das ist sicher etwas, das ich auch weiterhin im Blick haben werde und vorantreiben möchte, Stichwort KI."

Der vorige Chefarzt, Dr. Johannes-Martin Hahn, bleibt ebenfalls am Krankenhaus. In seiner neuen Rolle ist er ärztlicher Leiter der Wahlleistungsstation. All diese Entwicklungen stehen im Schatten einer aktuellen Sorge, die neben der Tropenklinik auch viele andere Krankenhäuser betrifft: das neue GKV-Stabilisierungsgesetz, das höhere Kosten sowohl für Patienten als auch für Krankenhäuser befürchten lässt.

"Die Begrenzung des Pflegebudgets bedeutet für die Krankenhäuser, dass nicht mehr vollständig die Kosten refinanziert werden und zukünftig oberhalb der Obergrenze die Kosten beim Krankenhaus hängen bleiben", so Sven Braun, Pflegedirektor am Krankenhaus.

Auch erhöhten Bürokratieaufwand und eine potenzielle Personalkrise sieht Braun unter der neuen Regelung kommen. Der Grund: die Abschaffung von PPR 2.0, eines Pflegepersonalbemessungsinstruments, das erlaubt, Personal nach Bedarf zuzuordnen.

"Mein großer Wunsch für die Zukunft ist, dass das Pflegepersonalbemessungsinstrument nicht abgeschafft wird", meint Braun, "sondern wieder eingeführt wird, weiterentwickelt wird, damit das Personal bedarfsgerecht eingesetzt werden kann und auch weiterhin in der Lage sind, eine gute, hochwertige Pflege zu erbringen."

Braun fürchtet eine Wiederholung der Personalkrise Ende der 90er Jahre, als die damalige Regierung die Version 1.0 des PPR abgeschafft hatte. Aktuell plant das Krankenhaus auch nach der Abschaffung, weiter das PPR 2.0 zu nutzen, um auch in der Zukunft die bestmögliche Pflege garantieren zu können. Wie genau das jedoch finanziert werden soll, ist noch unklar.

(Zuletzt geändert: Mittwoch, 22.07.26 - 16:07 Uhr   -   247 mal angesehen)
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