Reutlingen:
Stromausfall dauert an: Die Folgen und wie es weitergeht
Nach dem Brand in einem Umspannwerk sind Teile von Reutlingen und Umgebung weiterhin ohne Strom. Die Reparaturarbeiten laufen, werden heute aber womöglich nicht fertig. Privathaushalte sind ebenso betroffen wie Gewerbe und wichtige Einrichtungen.
Einsatzkräfte, Stadtverwaltung, Hilfsorganisationen und Energieversorger arbeiten seit den frühen Morgenstunden daran, die Lage zu stabilisieren, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen und besonders betroffene Einrichtungen zu unterstützen.
Ausgelöst wurde die Störung in der Nacht zum Montag: Gegen 1.43 Uhr fiel im Stadtgebiet Reutlingen sowie in angrenzenden Gemeinden der Strom aus. Nur zwei Minuten später, um 1.45 Uhr, ging bei der Integrierten Leitstelle Reutlingen der erste Notruf zu einem Brand im Umspannwerk West ein.
Das Feuer konnte nach Angaben der Verantwortlichen gegen 2.15 Uhr unter Kontrolle gebracht und gegen 3.30 Uhr vollständig gelöscht werden. Parallel dazu kam es zu mehreren Einsätzen wegen ausgelöster Brandmeldeanlagen. Zur Ursache des Brandes ermittelt die Polizei derzeit nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Brandstiftung sei ebenso möglich wie Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt. Nach Angaben des Netzbetreibers gibt es Anzeichen für eine Brandstiftung.
Zwei Einsatzschwerpunkte bilden aktuell das Klärwerk der Stadt Reutlingen und ein Geflügelhof. Dort unterstützen Kräfte des Technischen Hilfswerks mit mobilen Notstromaggregaten.
Wann die Stromversorgung überall wieder vollständig hergestellt sein wird, ist weiter offen. Die beteiligten Unternehmen wollten zunächst keine sichere Prognose abgeben. Laut Jens Balcerek, Geschäftsführer der Stadtwerke Reutlingen, liegt der Schwerpunkt zunächst darauf, die Bevölkerung wieder mit Strom zu versorgen, bevor das Gewerbe folgt. Vom Netzbetreiber Netze BW hieß es, mit einer Vollversorgung sei nicht vor 48 Stunden zu rechnen.
Stand 10 Uhr waren weiterhin rund 100 Kräfte der Feuerwehr im Einsatz. Hinzu kamen etwa 100 weitere Helferinnen und Helfer aus Einheiten des Bevölkerungsschutzes, darunter das Technische Hilfswerk und Hilfsorganisationen. Die operativen Maßnahmen werden durch den Führungsstab der Feuerwehr Reutlingen koordiniert. Parallel dazu tagen der Verwaltungsstab der Stadt Reutlingen sowie der Einsatzstab des DRK. Wegen der Lage löste der Kreisbrandmeister bereits um 4.45 Uhr eine außergewöhnliche Einsatzlage für den Landkreis Reutlingen aus.
Zumindest in Teilen der Stadt gab es am Morgen Entlastung: Gegen 6 Uhr war die Reutlinger Kernstadt samt Krankenhaus wieder mit Strom versorgt. Weiter ohne Strom blieben zunächst die Ortsteile Ohmenhausen und Betzingen sowie die Gemeinde Wannweil im Landkreis Reutlingen und Kirchentellinsfurt im Landkreis Tübingen.
Seit dem Nachmittag ist nun auch ein großer Teil der Betzinger und Ohmenhäuser Privathaushalte wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Auch Schulen und Kindergärten sind dort wieder mit Strom versorgt. Noch nicht wieder an die Stromversorgung angeschlossen sind die betroffenen Unternehmen in diesem Gebiet. Hier werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, teilte die Stadt Reutlingen mit.
Für die Bevölkerung wurden in den Feuerwehrhäusern Ohmenhausen und Betzingen Anlaufstellen eingerichtet. Dort können Notrufe abgesetzt und Erste Hilfe geleistet werden. Zusätzlich sind auch die Bezirksämter in Ohmenhausen und Betzingen als Anlaufstellen geöffnet.
Darüber hinaus richtet der Krisenstab der Stadt einen Notfalltreffpunkt ein. In dieser Notunterkunft sollen Menschen, die vom Stromausfall betroffen sind, unterkommen und versorgt werden. Über den genauen Ort und die Anlaufstelle will die Stadt informieren, sobald der Treffpunkt zur Verfügung steht.
Die Feuerwehr bittet die Bürgerinnen und Bürger zugleich darum, den Notruf 112 ausschließlich für lebensbedrohliche Notfälle freizuhalten. Für Rückfragen hat die Stadt Reutlingen ein Bürgertelefon unter 0800 3034444 eingerichtet. Auch der Energieversorger FairNetz GmbH bietet unter 07121 31945300 eine Hotline für dringende Fragen zur Stromversorgung an. Für alle weiteren Informationen verweist die Stadt auf ihre öffentlichen Informationskanäle.
In einer Pressekonferenz betonte Oberbürgermeister Thomas Keck die Prioritäten der Stadt. „Das oberste Ziel ist es, die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Wir danken daher allen Beteiligten für die hervorragende Zusammenarbeit. Ebenso danken wir den Bürgerinnen und Bürgern, welche mit ihrem besonnenen Handeln dazu beitragen, gemeinsam die Sicherheit aller zu gewährleisten."
Weitere Infos zum Stromausfall hier.
Auswirkungen hat der Stromausfall auch auf die Kinderbetreuung. Falls die Einschränkungen in Betzingen und Ohmenhausen auch am Dienstag, 9. Juni 2026, andauern, können mehrere städtische Kindertageseinrichtungen keinen regulären Betrieb anbieten. Betroffen sind die Einrichtungen in der Hasenbergstraße, am Dirnäckerweg, in der Lessingstraße, am Bruckäckerweg und in der Jettenburger Straße.
Für Kinder im Elementarbereich wird in diesem Fall eine einrichtungsübergreifende Notbetreuung organisiert. Für Krippenkinder wird es hingegen keine Notbetreuung geben. Die Eltern sollen am Montag um 15 Uhr direkt in ihrer Einrichtung darüber informiert werden, welche Kinder betreut werden können und wo die Notbetreuung angeboten wird. Betreut werden am Dienstag nur die Kinder, die eine schriftliche Zusage für einen Notbetreuungsplatz erhalten haben.
Sollte bis Dienstag, 9. Juni 2026, um 6.30 Uhr wieder Strom zur Verfügung stehen, findet der Betrieb in den regulären Einrichtungen statt, dann jedoch nur im VÖ-Betrieb von 7.30 bis 13.30 Uhr. Weil die Kühlketten unterbrochen wurden und keine Lebensmittel zur Verfügung stehen, können weder Frühstück noch Mittagessen angeboten werden. Eltern der betroffenen Kindertageseinrichtungen müssen ihren Kindern deshalb in jedem Fall Verpflegung mitgeben.










