Tübingen:
Vorstellung des Präventionsprogrammes „Starke-Kinder-Kiste“
Das Präventionsprogramm Starke-Kinder-Kiste ist an sich nicht neu, doch neu für Tübingen. Fünf Kisten, die Fachkräften und Kindern beim Vorbeugen sexualisierter Gewalt helfen sollen, wurden jetzt auf Kitas überall in der Stadt verteilt. Was in so einer Kiste steckt und wie das funktionieren soll, haben wir uns angesehen.
Die Fachabteilung Kindertagesbetreuung der Stadt Tübingen hat viele Aufgaben, doch der Kinderschutz ist besonders wichtig. Manchmal bedeutet das, Kindern beizubringen, bei Straßen nach links und rechts zu schauen. Manchmal bedeutet es, Kinder für sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren. In beiden Fällen, so die Tübinger Bürgermeisterin für Soziales Dr. Gundula Schäfer-Vogel, ist es wichtig, früh zu handeln.
"Ich denke Prävention ist das A und O. Folgen bearbeiten und auffangen ist immer teurer und mühsamer und nicht immer gleichermaßen erfolgversprechend. Prävention hat immer das Handycap, dass es nicht unbedingt messbar ist, aber ich bin sehr überzeugt von präventiven Konzepten, auch und gerade in so einem Bereich, in dem die Schäden ganz gravierend sein können."
Die Starke-Kinder-Kiste ist ein solches Konzept, gestaltet von der deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel und Gretel. Die rote Kiste ist voll mit Materialien für Kinder und Erwachsene, die das Thema in den Kita-Alltag integrieren sollen. Schon länger will die Fachabteilung einige erwerben. Ein Nachlass machte das jetzt möglich. Dieser reichte für fünf der Kisten, von denen deutschlandweit mehr als 600 im Einsatz sind. Susanne Keefer von der Fachabteilung für Kindertagesbetreuung sprach an, wie sie verteilt werden.
"Wir haben diese fünf Kisten, die wir kaufen konnten, jetzt verteilt über das Stadtgebiet. Wir haben vier Einrichtungen gefunden, Nord, Süd, Ost, West, die die Kisten bei sich lagern und die Ausleihe dort organisieren, damit niemand weit fahren muss und überall eine vorhanden ist. Und die fünfte Kiste ist hier in der Stadtmitte bei uns und die verleihen wir natürlich auch."
Fünf Themen stehen beim Inhalt der Kiste im Fokus: Gefühle, angenehme oder unangenehme Berührungen, gute und schlechte Geheimnisse, Hilfe holen und nein sagen. Alle verbunden mit Aktivitäten. Eine Tafel mit Magneten lässt Kinder aufzeigen, wo sie nicht berührt werden wollen. Ein Sack mit schlechten Geheimnissen ist besonders schwer, um zu zeigen, wie Geheimnisse, belasten können, die hier mit Beuteln dargestellt werden. Alles wird unterhaltsam und anschaulich präsentiert, um zur Interaktion anzuregen und schwierige Konzepte leicht verdaulich zu machen.
"Toll wäre, wenn die Kiste in einer Kita steht, gerne präsent und nicht irgendwo, sondern so, dass die Kinder die sehen können und dass alle Lust drauf kriegen, mit der zu arbeiten", meint Selma Frey von tima e.V. "Die Erwachsenen, die Fachkräfte oder auch die Kinder."
Für die Erwachsenen sind auch komplexere Texte in der Kiste. Nicht ganz so bunt und spaßig wie die Plüschkatze, doch nicht weniger wichtig. Hier geht es nicht nur darum, wie man das Thema vermittelt, sondern auch darum, selbst weniger Fehler zu machen. Kinder an den Haaren, Schultern oder Armen zu berühren mag gut gemeint sein, doch kann schnell unangenehm werden. Auch das kann in sexualisierter Gewalt ausarten. Für alle Altersgruppen finden sich Lektionen in der Kiste.










